Notarzt Thomas Samek:
"Ich fühlte mich in ,Anneliese' immer sicherer als in einem Taxi" 

[Kondolenzbuch für die Kollegen] [Der Absturz] [Spendenaufruf]


[SAR 71 - Der Rettungsflug in den Tod] [SAR 71 - Ein fliegender Notarztwagen] [Die Chronik der Unglücke] [SAR-Helikopter: 50 000 Einsätze seit 1973] [SAR - Search and Rescue] [Interview mit SAR Notarzt Thomas Samek] [Lufttransportgeschwader 63 - Die "Engel der Lüfte"] [Die Bell UH-1D]
 
"Ich hätte auch in diesem Hubschrauber sitzen können." Thomas Sameks Stimme stockt, als er diesen Satz sagt. Seit mehr als zehn Jahren fliegt der Notarzt mit auf dem SAR 71. Dem Helikopter, der gestern Morgen in Hummelsbüttel abstürzte. In der nächsten Woche wäre wieder seine Schicht gewesen.

"Ich habe mich im SAR 71 immer sicherer gefühlt als in einem Taxi", erzählt der 42 Jahre alte Familienvater von vier Kindern: 


Foto: Bundesministerium der Verteidigung - 
Rettungseinsatz im Stadtgebiet Hamburg

"Selbst wenn wir in engen Häuserschluchten gelandet sind, der Wind uns dabei tückisch hin und her geschüttelt hat und sich die Rotorblätter nur um Meter an Ampeln, Laternen oder Häusern vorbeidrehten - auf die Piloten, die zwei Mann im Cockpit, war immer Verlass", sagt Samek, und murmelt: "Sie sind die Besten. Jeder mit Tausenden von Flugstunden Erfahrung. Die bleiben immer ruhig, nach dem Motto: ,Ready for combat' (englisch für: Auf in die Schlacht), wenn sie wieder zu einem gefährlichen Einsatz starten." Völlig unvorbereitet hat den Notarzt die Nachricht gestern Morgen im Urlaub im österreichischen Montafon erreicht. Ein Rundruf, der schon Minuten nach dem Unglück alle informierte, die an Bord des SAR 71 arbeiten. "Wir sind wie eine große Familie", erzählt Samek: "Bei uns spielt der Dienstgrad keine Rolle. Das Team zählt." Selbst der Hubschrauber gehörte "irgendwie mit dazu", berichtet der 42-Jährige. Sie nannten ihn "Anneliese".
 

Foto: Bundesministerium der Verteidigung -
SAR Notarzt in Hamburg bei einem internistischen Notfall
Der Pilot, ein Bordtechniker, ein Rettungsassistent, der Notarzt, dazu manchmal, so wie gestern, eine Ärztin in Ausbildung - die Crew des SAR 71. Eine "Familie" für jeweils eine Schicht, im Einsatz von Sonnenaufgang bis in die frühen Abendstunden. Die, wenn nicht gerade ein Notfall ruft, miteinander frühstückt, im Sommer grillt, "viel Zeit miteinander verbringt."

   Ein Ziel, so beschreibt es der Notarzt, schweißt diese Truppe zusammen: Das Ziel, Menschen zu helfen und aus Not zu retten. "Manchmal", gibt er zu, "sind schon so ein paar Gedanken aufgekommen: Ist der Job nicht doch vielleicht zu gefährlich? Aber solche Gedanken waren auch ganz schnell wieder weg." Und auch wenn nächste Woche ein Ersatz-Hubschrauber gefunden sein sollte, will Thomas Samek wieder mit an Bord gehen. (cd) 

Quelle: Abendblatt

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